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Pressetext

 

Dialog der Konstrukteure

Mit der industriellen Revolution hat sich neben dem bereits existierenden Berufsbild des Architekten und Baumeisters dasjenige des Bauingenieurs entwickelt. Das daraus entstandene Spannungsfeld um die Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen Architekt und Ingenieur zeigt dabei eine lange, kontrovers diskutierte Tradition auf. Eine vordergründige Betrachtung der allgemeinen architektonischen Tendenzen unserer Zeit zeugt von einer weit verbreiteten Absicht, die Form unbekümmert von der Wirklichkeit der Konstruktion zu verfolgen. Gegenläufig dazu entstanden aber in der Schweiz in den letzten 20 Jahren einige bemerkenswerte Bauten und Projekte, die auf eine stark dialogische Auseinandersetzung in der interdisziplinären Zusammenarbeit hinweisen. Mit dieser Beobachtung als Startpunkt begibt sich die Ausstellung auf die Spurensuche nach den Bedingungen, Möglichkeiten und aber auch Grenzen dieses Dialoges.

 

Zwölf ausgewählte Architektur- und Ingenieurbüros aus der deutschen Schweiz hatten die Möglichkeit, ihre Aussage zum Thema in ergebnisoffener Form zur Darstellung zu bringen. Entstanden ist dabei eine dichte Sammlung von Aspekten unterschiedlicher Herkunft. Die Eröffnungsveranstaltung und zwei Symposien (Praxis/Lehre) mit den beteiligten Autoren werden als diskursive Fenster die dargestellten ‚sets of beliefs’ näher beleuchten.

 

Technik und Architektur

Die Form der Zusammenarbeit zwischen dem Bauingenieur und dem Architekten und damit einhergehend ihr gegenseitiges Rollenverständnis ist ein Thema, welches die Arbeit aller an einem Bau Beteiligten im Planungsprozess, aber auch in der Ausführung wesentlich prägt. Das Verständnis für das Zusammenspiel von Form und Konstruktion wird im fertigen Bauwerk selber physisch und konstituiert damit einen wichtigen Teil unseres kulturellen Gedächtnisses.

 

In unserem gängigen Sprachgebrauch werden die Begriffe der ‚Kunst’ und der ‚Technik’ meist mit der Vorstellung einer Gegensätzlichkeit und damit einhergehend mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Autoritäten assoziiert. Dass Kunstwerke sich von technischen Produkten dadurch unterscheiden, dass an die Stelle funktionaler oder zweckrationaler Kriterien ästhetische oder symbolische Kriterien treten ist ebenfalls als feste Vorstellung verankert. So mag es wohl plakativ aber nötig sein an dieser Stelle die Begriffe von Architekt und Ingenieur durch ‚Kunstverständigen’ und ‚Technikverständigen’ zu substituieren, weil dies der gängigen Konnotation der Berufsbilder entspricht. Impliziert werden damit Chronologie der Handlung aber auch der Inhalt der Betätigungsfelder: Der Architekt als Künstler braucht den Ingenieur sozusagen als Lieferanten für die kalkulatorischen Instrumente, als Mittel zum Zweck, um seine ästhetische Absicht umzusetzen. Vom Ingenieuren erwartet der Architektenkünstler dabei eine Art Dienstleister - Mentalität, im Sinne eines zur Verfügung - Stellens der Berechnungen. Gleichzeitig scheinen reine Infrastrukturbauten dem Metier des Bauingenieurs vorbehalten zu sein, wie es die englische Berufsbezeichnung des ‚civil engineering’ transportiert.

 

Dass das Verständnis zwischen Ingenieur und Architekt durchaus auch anderer Natur sein kann, trägt der Titel ‚Dialog der Konstrukteure’ in sich. Der Blick richtet sich dabei auf einige Bauwerke in der Schweiz, die in den letzten 15 Jahren entstanden sind und von einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Ingenieur und Architekt berichten und dafür auch Eingang in den Architekturdiskurs gefunden haben. Die Ausstellung versucht das Wesen dieser Zusammenarbeit an bekannten und publizierten Bauwerken zu ergründen, will aber gleichzeitig jüngste, noch wenig bekannte Gebäude und Projekte zeigen. Dabei soll ganz pragmatisch der Frage nachgegangen werden, welche Absichten, aber insbesondere welche Erträge von einer solchen Kooperation erwartet werden und welche Methoden dafür zur Anwendung kommen. Die Ingenieur- und Architekten-Autoren wurden eingeladen Form und Inhalt ihrer ‚Rede’ zu diesem Themenkomplex selber zu bestimmen; dementsprechend individuell sind die von ihnen aufgegriffenen Themen und Schautafeln.

 

Ein schweizerischer Dialog?

An dieser Stelle eine harte Konklusion über das spezifisch schweizerische dieses Dialoges zu ziehen wäre inakkurat. Es gibt nicht den evidenten, typisch schweizerischen Konsens betreffend Zielen oder gar generalisierbare Aussagen über die Art der Konfluenz von Form und Konstruktion. Als Eindruck über die Gesamtheit der präsentierten Projekte kann aber Folgendes festgemacht werden, das für den nicht involvierten Besucher vielleicht überraschend sein mag: Wer ein Eintauchen in eine offensichtliche ‚High Tech’ Welt und ihre Tendenzen zur Auflösung von Masse und zu Transparenzen oder biomorphe Experimente erwartet, wird feststellen, dass viele der hier ausgestellten Projekte (nicht nur für den Laien) eine Art ‚Zweites Sehen’ brauchen, um die verborgenen Anstrengungen der Zusammenarbeit überhaupt zu begreifen. Die Autoren wollen Technik entwerferisch durchaus anders besprechen, als diese in Offensichtlichkeit zur Schau zu stellen. Sie entwickeln für die Gebäude Strategien, die von den Konstruktionen Subtilitäten einfordern, welche unsere sinnliche Intelligenz ansprechen. Es ist eine Suche nach einer (schweizerischen?) Balance zwischen den Möglichkeiten des Entdeckens und einer Versicherung des angemessenen Vertrauens.

 

Für die hierfür angewandten Methoden ist es interessant, den Begriff der Technik vom griechischen ‚techne’ her zu begreifen, welches an sich nur die Bedeutungen von ‚Können, Kunst, Kenntnis, Geschicklichkeit und enger gefasst auch die praktische Fähigkeit, etwas hervorzubringen’ mit sich trägt. Diese Intentionen des Begriffs scheinen für den Kontext dieser Ausstellung zwar weit aber gerade auch eingrenzend genug zu sein, um genau das wiederzugeben, was die Gemeinsamkeiten der Architekten und Ingenieure benennt: Das Interesse an einem ‚Hervor – Bringen’ und damit verbunden eine beeindruckende Hartnäckigkeit einer Geschicklichkeit des Entwickelns. Dieses ‚Hervor – Bringen’ ist ein Forschungsprozess, der oft im Bereich der Verinnerlichung oder Neudefinition von Komplexität angesiedelt wird. Dieser zeugt vom Willen sich selber Probleme auferlegen zu wollen, die derart konstruiert sind, dass sie von einer vom Ingenieur und Architekten gemeinsam konzipierten Problemstellung ausgehen; sozusagen ein freiwilliger Zwang zu gemeinsamen Schnittstellen.

 

Diese Prämissen einer produktiven Zusammenarbeit beinhalten aber keineswegs eine eigentliche Kompetenzverschiebung innerhalb der zwei Berufsfelder. Die Trennung der zwei Berufsfelder scheint denn auch nicht in Frage gestellt zu werden. Dieser Vorstellung des ‚engen Nebeneinanders’, also einer Arbeit in Nachbarschaften, trägt das Tafelkonzept in der Ausstellung Rechnung.

 

Strategien der Architekten und Ingenieure

Wie beschrieben, sind die Interessenslagen der einzelnen Autoren disparat und natürlich einiges komplexer als dies eine kurze Synopse wiederzugeben mag. An dieser Stelle sei deshalb nur ganz knapp das Auffällige am Eingereichten skizziert.

 

Bis vor kurzem konnte noch so etwas wie eine gemeinsame Tendenz einiger an dieser Ausstellung beteiligten Autoren abgelesen werden: Ihr Fokus lag darauf das Potential des Tragwerks als raumbildendes Element zu verstehen (vgl. Abschnitt ‚Scheiben und Platten’ im Essay von Christoph Baumberger). In ihren aktuelleren Projekten zeigen aber teilweise auch diese Büros eine Verschiebung der Interessen an. So beschreibt das Büro Meili + Peter Architekten ihr Experimentierfeld neu als dem Bereich des ‚Anästhetischen’ zugehörig und setzt dies in Verbindung zu profanen Bautechniken. Das Tragwerk für die neue Halle der Graubündner Kantonalbank in Chur von Jüngling + Hagmann Architekten zeigt sich als aufgelöste Fachwerkkonstruktion; es handelt sich dabei immer noch um raumhaltige und brückenähnlichen Dimensionen, aber ohne die Geschlossenheit der Tragelemente, wie man sie von ihren früheren Projekten her kennt. Eine ähnliche Verschiebung zeigt sich auch beim Schulhaus Leutschenbach von Architekt Christian Kerez und Ingenieur Joseph Schwartz an; die mehrgeschossigen Fachwerkträger deuten auch hier auf das neue Interesse an einer Ambiguität von Öffnung und Wand innerhalb eines Tragwerkelementes selber hin. Beim eben fertig gestellten Busterminal Twerenbold in Rütihof von Knapkiewicz & Fickert Architekten ist ebenfalls die Leistung von Fachwerkträgern das Thema. Hier erfährt die Uneindeutigkeit des Systems eine Übersteigerung, indem das Fachwerk hinter den Kulissen bleibt und nur noch erahnt werden kann.

 

Ingenieur Jürg Conzett präsentiert seine Aussage zum Thema mit der Darstellung einer Forschungsarbeit, in der er das Verhältnis zwischen rechnerischer Stabilität und dargestellter Stabilität am Beispiel einer Zusammenarbeit von Architekt Adalberto Libera und Sergio Musmeci betrachtet. Von Ballmoos Krucker Architekten beschreiben ihren Anspruch an eine Struktur unter anderem damit, dass diese als Ausdrucksmittel des Gebrauchs wirksam werden soll. Ihr Interesse an der schweren Vorfabrikation geht mit einem pragmatischen Verhältnis zum jeweiligen ‚Werksingenieur’ einher. Dass die Besprechung des Themas der Vorfabrikation, des Bauprozesses und der Strategien für den Einsatz der verfügbaren Technik zu formal sehr unterschiedlichen Resultaten führen kann, zeigt das Projekt ‚Flickflauder’ von agps.architecture.

 

Die beiden Ingenieurbüros Dr. Lüchinger & Meyer und WGG Schnetzer Puskas weisen in ihrer Absichtsformulierung, aber auch teilweise in ihren Partnerschaften mit global agierenden Architektenpartnern wie Richard Rogers oder Herzog & de Meuron gewisse Gemeinsamkeiten auf. Ihr Aufgabenverständnis basiert dabei auf dem strukturellen ‚Herausschälen’ der zentralen Idee des am Anfang stehenden, architektonisch-gestalterischen Bildes. So weisen die präsentierten Projekte über ihre Gesamtheit keine eindeutigen Präferenzen in Bezug auf eine Material- oder Tragwerksverwendung auf, sondern zeugen vielmehr vom individuellen Eingehen auf die einzelnen Projektanforderungen und Architekten.

 

Das Ingenieurbüro Walt + Galmarini zeigt am Beispiel des Letzigrund Stadions in Zürich, dass die Aufschlüsselung der Ideengeschichte zwischen Architekt und Ingenieur nicht abschliessend eruiert werden kann: In einem fast schon reziproken Verhältnis wurde hier nicht nur das Tragwerkskonzept durch die Interpretation der architektonischen Idee formatiert, als vielmehr auch räumliche Anliegen über die Interpretation des Tragwerkskonzeptes entwickelt.

 

Der Startpunkt des jungen Ingenieurbüros Fürst Laffranchi setzt bei den verschiedenen Referenzsystemen von Architekt und Ingenieur an. Ziel an der Zusammenarbeit ist die Überwindung des eigenen Referenzsystems, konkret die Nutzbarmachung der Kompetenz des Architekten als „Raumplaner“, als Experte für Massstab und Kontext.

 

Die Ausstellung

Nebst den individuellen Schautafeln der eingeladenen Büros zeigen die drei Essays von Christoph Wieser, Christian Penzel und Christoph Baumberger selektiv Auszüge zum Thema im Zeitfenster der letzten 100 Jahre. Ihr Blick geht dabei über die Landesgrenze hinaus und beleuchtet Bewegungen, aber auch einzelne Architekten, Ingenieure und Bauten, die in diesem Zusammenhang auf sich aufmerksam gemacht haben.

 

Die von den Büros zur Verfügung gestellten Arbeitsmodelle tragen den Atem der Entwicklungsphase in sich, währenddem der von Jean-Claude Campell realisierte Videoclip über einige, ausgewählte Projekte ein wenig gebaute Realität ins DAZ trägt.

 

Die Kunst des Ausstellens selber wird als Zweig der Architektur verstanden: Ziel der Ausstellungsgestaltung ist das Verwischen der Unterscheidung zwischen dem Gegenstand der Schau, der dafür temporär geschaffenen Architektur und dem zur Disposition gestellten Raum. Auch hier soll es eines zweiten Blickes bedürfen, um Klarheit zu erlangen, welche Teile ephemer und welche beständig sind. Dem Ausstellungsentwurf liegt zudem der Anspruch einer klaren, zur Betrachtung auffordernden Anordnung, sowie die Begehbarkeit der Einheiten des Raumes zugrunde.

 

Mit Tafelbeiträgen von/with contributions of

von Ballmoos Krucker Architekten

Marcel Meili, Markus Peter Architekten

Jürg Conzett Ingenieur

Jüngling und Hagmann Architekten

Dr. Schwartz Consulting

Christian Kerez Architekt

Dr. Lüchinger + Meyer Ingenieure

Knapkiewicz & Fickert Architekten

agps.architecture

WGG Schnetzer Puskas Ingenieure

Fürst Laffranchi Ingenieure

Walt + Galmarini Ingenieure

 

Und mit Essays von/with essays by

Christian Penzel, Architekt

Christoph Baumberger, Philosoph

Christoph Wieser, Architekturtheoretiker

Paul Kahlfeldt, Architekt

Markus Peter, Architekt

Mike Schlaich, Bauingenieur

Aurelio Muttoni, Bauingenieur

Mario Monotti, Bauingenieur

Heinrich Schnetzer, Bauingenieur

Joseph Schwartz, Bauingenieur

Carlo Galmarini, Bauingenieur

Andreas Hagmann, Architekt

Aita Flury, Kuratorin/Architektin

 

Rahmenveranstaltungen

 

Eröffnung/opening

04.03.2010, 19 Uhr/7pm

 

Es sprechen/speakers

Jürg Conzett, Bauingenieur Chur

Ueli Brauen, Architekt Lausanne

Elisabeth Boesch, Vizepräsidentin BSA Zürich

Aita Flury, Kuratorin Zürich

 

Moderation/moderation

Adolf Krischanitz, Architekt Wien Berlin Zürich

 

 

Symposium 1

18.03.2010 16 Uhr - 20 Uhr/ 4pm-8pm

Thema: Die Zusammenarbeit zwischen Ingenieur und Architekt : Praxis und Wettbewerbe

 

Es sprechen/speakers

Carlo Galmarini, Bauingenieur Zürich

Mike Schlaich, Bauingenieur Stuttgart/Berlin, Prof. TU Berlin

Heinrich Schnetzer, Bauingenieur Basel

Markus Peter, Architekt Zürich, Prof. ETH Zürich

Andreas Hagmann, Architekt Chur

 

Moderation/moderation

Hans Kollhoff, Architekt Berlin, Prof. ETH Zürich

 

 

Symposium 2

21.04.2010 16 Uhr - 20 Uhr/ 4pm-8pm

Die Zusammenarbeit zwischen Ingenieur und Architekt : Praxis und Lehre

 

Es sprechen/speakers

Aurelio Muttoni, Bauingenieur Prof. EPF Lausanne

Joseph Schwartz, Bauingenieur Prof. ETH Zürich

Christoph Wieser, Dr. Architekturtheoretiker ZHAW Winterthur

Mario Monotti, Bauingenieur Prof. Accademia USI Mendrisio

Paul Kahlfeldt, Architekt Berlin, Prof. TU Dortmund

 

Moderation/moderation

Adolf Krischanitz, Architekt Wien Berlin Zürich

Aita Flury, Kuratorin/Architektin

 

 

 

 

 

 

 

Dialog der Konstrukteure

Ausstellung und Publikationen

Architekturforum Zürich 2006

Deutsches Architekturzentrum Berlin 2010

 

Kuratorin:

Aita Flury