Logo
01AitaFluryKrematoriumFriedhof
02AitaFluryKrematoriumOfenraum
03AitaFluryKrematoriumEingang
04AitaFluryKrematoriumAndachtsraum
05AitaFluryKrematorium2
06AitaFluryKrematorium3
07AitaFluryKrematorium1
assets/
assets/
assets/
01AitaFluryKrematoriumSchema
02AitaFluryKrematoriumSituation
03AitaFluryKrematoriumGREG
04AitaFluryKrematorium1.UG
05AitaFluryKrematorium2.UG
06AitaFluryKrematoriumSchnittA
07AitaFluryKrematoriumSchnittB
08AitaFluryKrematoriumSchnittC
09AitaFluryKrematoriumSchnittD
12AitaFluryKrematoriumAnsichtOst
assets/
assets/
assets/

Situation – topografische Setzung

Das Areal des Friedhof Feldlis besteht aus drei sehr unterschiedlichen Bereichen: Die zwei im Süden gelegenen, zeitlich früheren Anlagen sind geometrisiert und durch ihre Motive aus der französischen Gartenbaukunst charakterisiert. Die Gebäude (Abdankungshallen, heutiges Krematorium und Urnenhallen) sind den Gartenanlagen peripher angelagert und bilden jeweils den gebauten Auftakt zur Feldli- und Hätterenstrasse hin.

 

Der nördliche und tiefer gelegene Teil, wo das neue Krematorium zu stehen kommt, ist im bereits gestalteten östlichen Teil von einer nicht geradlinigen, organischen Wegführung geprägt – die Wege sind sanft geschwungen und verlaufen entsprechend den Geometrien und Höhenlinien des Grundstückes. Das mittige Gräberfeld zeigt Raumkammern in leicht aufgespreizter Anordnung. Der für den Neubau vorgesehene westliche Perimeter zeichnet sich durch seine stille Atmosphäre in einer lichtungsartigen Situation aus – ein Kranz von hochstämmigen Bäumen begrenzt eine plateauartige Wiese. Hier wird das neue Krematorium in der Logik der vorgefundenen Geometrien, topografisch eingefügt: ein längsrechteckiger, fein geschwungener Baukörper wird dem bestehenden Baum-Poché eingelagert.  Das neue Krematorium erinnert in seiner Körper- und Objekthaftigkeit an den Klangkörper eines Seiteninstruments - seine geschwungene Abwicklung und seine Ausrichtung reagieren dabei nicht nur auf die Organizität des 3. Friedhofabschnitts, sondern auch auf die Rahmenbedingungen des Plateaus selber, sodass Terrainverschiebungen minimiert sind: nördliche als auch südliche Böschung bleiben untangiert. Alle vier Gebäudeseiten zeigen unterschiedliche Anteile an Konkavitäten, die auch aus innenräumlichen Anforderungen heraus entwickelt sind – insgesamt zeigt sich der Baukörper von allen 4 Seiten empfangend.

 

Das Krematorium wird von der Strasse soweit abgerückt, dass zusammen mit dem raumbildenden Baumbestand links und rechts ein kleiner Ankunftsplatz gebildet wird, der eine für die Nutzung adäquate Auftaktsgeste bietet: die Trauergäste, die vorwiegend über die Hätterenstrasse aufs Gelände kommen, gehen einen kurzen Weg zu Fuss und nähern sich in angemessener Geschwindigkeit dem Krematorium. Der Weg für die Sargtransporte von der Abdankungshalle funktioniert gleichzeitig als Fussgängerverbindung - er folgt der südlichen Hangkante und mündet - das Krematorium sanft umschlaufend - auch auf dem neuen Ankunftsplatz. Die Anlieferung erfolgt pragmatisch ebenfalls über den Ankunftsplatz, erhält aber durch die Zonierung des Platzes mit einem Baum die notwendige Intimität und genügend Abstand zum Haupteingang.

 

Gestalt des Gebäudes – kohärente Symbolik

Aus architektonischer Sicht ist die Hauptherausforderung für die Gestalt eines Krematoriums eine kohärente und heutige Symbolik für den Gebäudetyp zu finden. War das Verhältnis von Ofentechnik zu öffentlichen Räumen wie Abdankungskapellen in den Anfängen der Feuerbestattung noch ausgeglichen zeigen heutige Krematorien durch ihre gestiegenen Anforderungen an Kapazität und Effizienz einen verstärkt industriellen Charakter – der öffentliche Raum ist meist auf ein Minimum reduziert (die neuen Krematorien werden vom originalen Abdankungshallenkomplex aus Platzgründe ausgelagert – wie hier der Fall – und stehen nachher isoliert). Trotz fordistischer Anforderungen bei der Abwicklung der Einäscherung ist ein Krematorium aber natürlich weiterhin ein sakraler Ort, dem eine tröstende Atmosphäre aneignen soll.

 

Dieser dichotomischen Ausgangslage versucht der vorliegende Entwurf mittels eines Baukörpers zu begegnen, der seine Kraft nicht nur in einer sanften, „sich anschmiegenden“ Grundrissfigur findet, sondern vor allem auch in der präzisen Höhenentwicklung der Räume, in seinen Schnittlösungen: Raumhöhen und Deckengeometrien des eingeschossigen Baukörpers sind durchwegs auf die Nutzungen licht- und stimmungsmässig angepasst: verschiedene Ausformulierungen von flachen oder kuppelartigen Oberlichtern prägen die Stimmungen von z.B. Eingangsraum, Aufbahrungsräumen oder Andachtsraum. Das besondere Augenmerk liegt natürlich auf dem Ofenraum, Kultraum, der als lichte Halle interpretiert wird: Der Schwere der Nutzung wird ein „in die Höhe und nach oben transzendierender“ Raum entgegengesetzt. Drei expressive Tonnengewölbe mit eingelegten Glasbausteinen ziehen den Blick unweigerlich auf sich. Ihre Auskragungen in den Aussenraum werden durch grosse, okuliartige Öffnungen betont – es wird eine leichte und trotzdem Halt-erzeugende Atmosphäre etabliert. Die im Vordachbereich schräg angeschnittenen Tonnendächer sind auch von Aussen und vor allem von oben der Fokus und das silhouettenbildende Moment des Gebäudes. Zusammen mit den drei Kaminen, die formal mit den Tonnen zusammenspielen, ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich und werden für die 5. Fassade, die Dachaufsicht zentral. Insgesamt drücken die gewählten Figuren symbolisch Geborgenheit, Schutz und Archaik aus – Assoziationen die in enger Verbindung zum Tod stehen. 

 

Organisation

Öffentliche und administrativ/technische Bereiche sind durch die gewählte Disposition strikt voneinander getrennt. Der öffentliche Bereich (Empfang, Korridor, Aufbahrungsräume und Andachtsraum) erstreckt sich entlang der nördlichen Hangkante mit Ausblick ins Tal – am Schluss dieser Raumfolge wird der Blick dann nach rechts in den Kultraum geführt.

Zur Belichtung der Räume im kompakt organisierten Administrationsteil wird aus der Grundmasse des tiefen Volumens ein Leerraum ausgenommen, der als Wasserhof mit Wasserhyazinthen Luft und Licht ins Innere pumpt. Dieses kleine Impluvium trennt den Administrationsbereich vom Kultbereich und wird möglich durch die Organisation der Technikeinheit auf 3 Ebenen.

Der technische Bereich entwickelt sich im rechten Flügel im EG und besetzt das ganze 1. UG. Der Bereich Ascheentnahme/Mühleraum und Werkstätten im 1. UG wird als offene Zone organisiert und profitiert durch grosszügig angelegte „Lichtkanonen“ von Tageslicht und direktem Aussenraumbezug.

 

Technik/ Revisionsöffnungen/Erweiterung

Die Rückkühler sind auf dem südlichen Flügel (über den technischen Räumen) auf dem Dach angeordnet. Zwecks Einbindung in die Dachflächengestaltung wird dieser gesamte Bereich optisch mit einem alle Komponenten zusammenfassenden Gitterrost überdeckt.

Die geforderte Revisionsöffnung 2.5 x 2.5m für den Technikraum Ofen (Wärmetauscher) wird über eine Aussentüre, die durch den Kühlraum direkt in den Ofenraum führt, gelöst. Diese gewährleistet auch die Einbringung der Sargeinfahrmaschinen in den Ofenraum. Im Ofenraum selber ist eine Bodenöffnung von 2.5m x 2.5m im Bereich der Wärmetauscher vorgesehen. Die geforderte Revisionsöffnung 3.5m x 2.5m für die Einbringung des Festbettadsorbers wird über einen verdeckten Schacht im Bereich der Westfassade gelöst: bei Bedarf wird dieser geöffnet und durch den Lagerraum Verpackung und den Korridor kann die Komponente direkt in den Technikraum Rauchgasreinigung eingebracht werden.

Für eine allfällige Erweiterung (Gefriertrocknungsverfahren) kann auf der Nordseite eine weitere Raumschicht ans Volumen angehängt werden – diese erweitert den Baukörper in formaler Selbstverständlichkeit und ist in direkter Adhäsion zu Anlieferung und Kühlraum organisiert.

 

Konstruktion und Material

Der materielle, sinnliche Charakter des Krematoriums wird vor allem durch vorfabrizierte Trasskalkelemente und Trasstonböden hergestellt. Trasskalk wurde als Material bereits von den Römern verwendet. Die Elemente werden heute gleich wie Betonelemente hergestellt und auch auf die gleiche Weise versetzt. Da Trassmehl als Bindemittel keine thermische Herstellenergie benötigt, macht sich die Verwendung auch in der Berechnung des Primärenergiebedarfs positiv bemerkbar. Nebst diesem ökologischen Vorteil einer tieferen Herstellungsenergie erzeugt das lebendige und haptische Äussere der Elemente eine sinnliche Atmosphäre und lassen den Baukörper (be)-greifbar werden. Zu diesem erdig warmen Material werden situativ Glasbausteinelemente in verschiedenen Figuren eingesetzt, die in Kombination mit den Fensteröffnungen für angenehme, diaphane Lichtstimmungen in den Räumen sorgen.

 

Tragwerk

Ein konventioneller robuster Ortbetonbau bildet das Tragwerk über der Flachfundation bis zum Dach. Dieses zeigt die Ausserordentlichkeit des Ortes. Auf abgespriessten vorfabrizierten Unterzügen werden gut 2m hohe und 2.5m lange, leicht transportierbare vorfabrizierte Tonnen-Schalen aus Dämmbeton mit eingelegten Glasbausteinen aufgesetzt. Die Fugen werden vergossen und anschliessend die Unterzüge vorgespannt. Dadurch wirken Unterzüge und Tonnen-Schalen zusammen, sind - weil überall unter Druck - rissefrei und vermögen die Spannweiten im Innern problemlos zu überbrücken.  Der auskragende Tonnendach-Teil wird im Dachscheitel mit leichten Zugstangen vorgespannt, sodass auch hier keine Zugspannungen im Beton auftreten.

 

 

 

 

Krematorium Friedhof Feldli

Studienauftrag

St. Gallen 2012

 

Architekten:

Aita Flury, Roger Boltshauser

 

Landschaftsarchitekten:

manoa Landschaftsarchitekten GmbH

 

Ingenieure:

Walt + Galmarini AG


AitaFluryEladioDieste

Eladio Dieste - Lanas Trinidad Wool Industrial Complex