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Bestandesanalyse

Die Spuren der ehemals umfassenden Stadtmauer von Greifensee und eine idyllische Seelage bilden den ausserordentlichen Kontext für einen Ersatzneubau: In ein dreiseitig von Stadtmauerfragmenten und vom Pfarrhaus bestimmten Raumvolumen soll ein neues Kulturhaus mit einem multifunktionalen Saal als Kernstück eingeschrieben werden.

Das zu ersetzende Landenberghaus aus dem Jahre 1969/1970 gibt sich nur zum Städtli hin als Haus zu erkennen, zum See tritt es mit seinen begrenzten Öffnungen als Stadtmauer in Erscheinung. Die Städtlifassade ist bewusst dunkel gehalten, sodass trotz Transparenz Öffnungen und Schliessungen optisch zusammenwirken und als Ganzes an die homogene Holzschalung der ehemaligen Scheune erinnern. Der Fensterrhythmus nimmt Bezug auf die Massstäblichkeit des Fachwerkriegels des Pfarrhauses. Auf die Geometrie des nordöstlichen Treppengiebels reagiert der Bestand mit einer abgestufen Dachvolumetrie, die städtliseitig das Dach in zwei durch ein Oberlichtband separierte Flächen trennt. Die dabei gewählten Geschosshöhen und -lagen drücken das Eingangsniveau des EGs ungünstig in den Boden hinein, was wenig empfangend wirkt und sich auf die EG-Atmosphäre insgesamt negativ auswirkt.    

 

Umgang Alt – Neu

Insgesamt wird ein Umgang zwischen Alt- und Neu angestrebt, der zum Ziel hat die Zeiten miteinander zu verschleifen. Diese Strategie verfolgt Tragwerke, Strukturen und einen Materialumgang, die klar als heutig und zeitgemäss identifiziert werden können, die sich aber gleichzeitig mit dem Bestand verweben, ohne didaktische Bruchkanten Alt/Neu zu inszenieren. Angesichts der eng gesteckten Rahmenbedingungen bzgl. Volumetrie und Funktionen werden für das Projekt folgende entwerferische Massnahmen vorgeschlagen:

 

1. Das neue Volumen soll an allen Punkten die Höhen des nordöstlichen Treppengiebels respektieren. Durch eine in Traufnähe leicht geknickte Dachfläche (die an Aufschieblingsknicke erinnert) wird es möglich das Volumen ohne Dachstufung innerhalb der Treppengiebelgeometrie unterzubringen - unter gleichzeitiger Gewinnung von Höhe der Traufkote. Damit werden für das EG und die innere Geschossaufteilung insgesamt sinnvolle Höhenkoten möglich.

 

2. Dach und Städtlifassade werden als ein zusammenhängendes Tragwerksystem konzipiert. In ihrer Materialität lehnen sie sich – dem heutigen Bestand nicht unähnlich – an die Idee an, dass in eine murale Umfassung – diese wird mit einer zusätzlichen Vorsatzschale aus Sichtmauerwerk innen verstärkt - eine hölzerne Struktur eingeschoben wird, die an die historische Scheune erinnert. Dach- und Fassadenkörper sind dabei so in die gegebene Umfassung eingeschoben, dass kein Bauteil darüber vorsteht – das Volumen erfährt dadurch eine archaische Abstraktion, ohne dem Kontext fremd zu werden. Die neue Fassade zeigt eine Plastizität, die das Haus mit seinem Umraum verzahnt. Die Fensterabwicklungen berichten von heutigen konstruktiven Möglichkeiten und reagieren mit ihren Lüftungsflügelelementen auf den Fassadenrhythmus des Pfarrhauses.

 

3. Die neue Grundrissordnung zeigt ebenfalls eine gewisse Affinität zur Raumordnung der alten Scheune. Der fast quadratische Grundriss wird in Querrichtung zu See und Stadt in 4 strukturelle Schichten eingeteilt. Innerhalb dieser sind Neben- und Haupträume in allen drei Geschossen ideal aufgeteilt.

 

4. Der multifunktionale Saal als neues Kernstück der Anlage im 1. OG ist atmosphärisch von der alles überspannenden, hölzernen Dachstruktur und der inneren, aus „romanischen“ Backsteinen gemauerten Vorsatzschale geprägt. Der Raum profitiert von der dramatische fallenden Dachsilhouette, die durch die Kastenfenster der Ostfassade optisch nach Aussen zum Städtli zieht – eine balkonartige Situation, die Sehen mit Gesehen Werden, verbindet. Zwei grosszügige Dachfenster im Bereich der muralen Giebelwände bringen Licht in die Tiefe des Raumes und inszenieren die haptische Maueroberfläche. Die zwei bestehenden, romanischen Fenster sind im Grundriss ideal integriert und eröffnen erhabene Seeblicke. Alle anderen Öffnungen im Mauerwerk sind minimiert. Für Beschallung und Licht notwendige Installationen können je nach Veranstaltung individuell an den kräftigen Pfetten befestigt werden. Die Saalgeometrie lässt zudem verschiedene Bespielungsszenarien (vgl. Schemas) zu.

 

5. Die Galerie entwickelt sich auf der peripheren Erschliessungsschicht entlang der nordöstlichen Giebelmauer. Sie ist als skulpturale Abwicklung aus der inneren Backsteinschale heraus konzipiert und zeigt eine angemessene Steilheit, zwecks optimaler Sichtbezüge zum Saal. Die gesamte gemauerte Abwicklung wird mit einem Geländer aus Holz/Metall und Holzsitzen verfeinert und gebrauchstauglich gemacht. Insgesamt besticht der Saal durch eine stille Atmosphäre, die in ihrer Dezenz einen multifunktionalen Hintergrund bildet.

 

6. Die gewählte Anordnung zeigt eine hohe Funktionalität: Auf kleinstem Raum werden alle Erschliessungen unter Einhaltung der feuerpolizeilichen Vorschriften gelöst. Besucher- und Musiker/Schauspieler sind im 1.OG ideal entflochten. Das EG zeigt die gewünschte Transparenz zwischen Foyer und Gastroraum - mit einer Schiebewand sind die Räume auf unkomplizierte Weise separierbar. 

 

7. Pfarrhaus: Die Erschliessung der Wohnung im 2. OG des Pfarrhauses erfolgt über den zweistöckigen Abortturm. Mit kleinen Eingriffen entsteht eine grosszügige Wohnung, die eine rundlaufartige Organisation um den mittleren Dachbodentreppenturm zeigt.

 

8. Aussenraum: Zum See hin wird der Aussenraum vor dem Pfarr- und dem Landenberghaus in zwei qualitativ unterschiedliche Bereiche zoniert: Die gemauerte Terrasse vor dem Landenberghaus wird direkt dem Bistro zugeschlagen, das „Heckenzimmer“ profitiert von einer intimeren Atmosphäre und kann z.B. für geschlossene Anlässe genutzt werden. Zum Städtli wird die Pflästerung bis ans neue Landenberghaus herangeführt. Einzig ein Baum setzt vor der Fassade einen Ort und lässt die Jahreszeiten erfahrbar werden.

 

Akustik

Die auf den ersten Blick untypische Raumgeometrie erweist sich bei näherer Betrachtung in musikalisch-akustischer Hinsicht als interessant. Wird ein Ensemble zum Beispiel gemäss einem der ersten drei dargestellten Bespielungsszenarien im Raum platziert, ergeben sich ideale Verhältnisse für akustische Instrumente – genügend Raumhöhe und -volumen für eine gute Klangentfaltung und eine gute „Stützung“ der Instrumente durch die gemauerten, leicht strukturierten Rückwände. Die Galerie bietet zusätzlich eine willkommene Anzahl von akustisch guten Plätzen mit idealen Sichtbezügen. Sie entlastet die Parterrefläche des Saales und verhindert eine zu dichte Bestuhlung und problematische Plätze im Randbereich des Raumes unter dem niedrigen Dach. Das Raumvolumen von annähernd 2000 m3 bei einer geplanten Zuhörerzahl von ca. 220 Personen führt zu einer für einen Kammermusiksaal durchaus günstigen Volumenkennzahl (K) von ca.9m2/Person. Die vorgeschlagene Materialisierung des Saales (Mauerwerk/strukturiertes Holzdach/hohlliegender Holzboden) sorgt für günstige raumakustische Ausgangsbedingungen und verspricht ein interessantes Klangbild mit guter Balance. Die grosse Dachfläche bietet ausreichend Fläche für gezielte raumakustische Massnahmen um dem Nachhallzeitverlauf über die Frequenz einen optimalen Verlauf geben zu können. Ausserdem unterstützt sie durch ihre deutliche Strukturierung die Schallstreuung im Saal und trägt damit zu einem feinstrukturierten und weichklingenden Nachhall bei.

 

Konstruktion_Tragwerk

Zwischen dem Landenberghaus und der massiven alten Giebelwand wird ein Holzdach gespannt, das die Giebelwand gleichzeitig im Bau- und Endzustand stabilisiert. Wegen der grossen Steilheit sind die Schneelasten gering. Das Dachtragwerk besteht aus einer konventionellen Holzkonstruktion mit einer mächtigen Firstpfette und einem Abfangträger im Bereich des Dachknicks, beide in BSH. Dazwischen werden Binder und eng gesetzte Pfetten gespannt. Zusammen mit der durchgehenden Dachschale bilden alle Elemente ein effizientes Faltwerk. Unter dem Dach werden in Massivbau Untergeschoss, Umfassungswände und Erschliessungsschicht eingezogen. Die Foyerdecke ist in Holzbauweise geplant. Das Untergeschoss belässt die bestehenden alten Mauerfundamente der ehemaligen Stadtmauer, sodass diese wenig gefährdet sind.

Landenberghaus Greifensee

Wettbewerb 2013

 

Architekten:     

Aita Flury, Gianluca De Pedrini

 

Akustik:

applied accoustics GmbH

Martin Lachmann

 

Ingenieur:       

Walt + Galmarini AG 


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