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AitaFlury Iddastrasse 01
AitaFlury Iddastrasse 02
AitaFlury Iddastrasse 03
AitaFlury Iddastrasse 04
01 AitaFlury Iddastrasse Situation
02 AitaFlury Iddastrasse 1.OG
03 AitaFlury Iddastrasse EG
04 AitaFlury Iddastrasse 1.UG
05 AitaFlury Iddastrasse Ansicht
06 AitaFlury Iddastrasse Ansicht
07 AitaFlury Iddastrasse Schnitt
08 AitaFlury Iddastrasse Schnitt
09 AitaFlury Iddastrasse Schnitt
10 AitaFlury Iddastrasse Ansicht

Ausgangslage

Der Wettbewerbsperimeter für den neuen 3-fach Kiga und Tagesbetreuung Iddastrasse ist stark von seiner topografischen Lage und seiner landschaftlichen Umgebung geprägt: Das L-förmige Areal liegt am sanft ansteigenden, Südwest ausgerichteten Rotmonten Hang und wird im Nordosten durch das Tanneichenbachtobel mit seinem hohen Baumbestand wildromantisch gerahmt/gefasst. Im Nordwesten grenzt der Perimeter an die räumliche Leerstelle der Aussenspielwiese des Schulhauses Gerenholz, während im Süden und Südwesten locker verteilte Punkt- und Zeilenwohnhäuser die unmittelbare Umgebung bilden. Als besonders markante Gebäude in mittelbarer Nähe sind zudem die beiden öffentlichen Gebäude des Schulhauses Gerenholz im Nordwesten und die römisch katholische Dreifaltigkeitskirche im Nordosten zu erwähnen: beide Gebäude thronen links und rechts des Tobels und zeigen wegen ihres grossen Fussabdrucks am Hang grössere Geländeverschiebungen (Terrassierungen).

 

Das neue Projekt

Die L-förmige Form des Perimeters, seine Hanglage, der Wunsch nach differenzierten Aussenräumen und Eingangsbereichen für die Kigas und die Tagesbetreuung lassen es sinnvoll erscheinen das Programm auf 2 Gebäude aufzuteilen: Dies ermöglicht die Setzung eines „Unterhauses“ und eines „Oberhauses“, die auf die variierenden Geländeneigungen des unteren und oberen Geländes je spezifisch reagieren können. Die beiden Gebäude werden sanftmöglichst in die Topografie - den Hangverlauf - eingepasst, sind zueinander in der Horizontalen verschoben und zudem geometrisch leicht abgedreht. Zusammen mit der kleinen Trafostation im Norden und dem ehemaligen Kindergartenhaus Gerhalden im Süden bilden die neuen Volumen ein lockeres, hangdurchlässiges Ensemble.

 

„Unterhaus“

Das „Unterhaus“ - die Tagesbetreuung (TB) - zeigt sich als einfacher, längsrechteckiger, 2-3-geschossiger Block, der orthogonal zum Hang gesetzt wird. Seine Südost- und Nordostfassaden stehen dabei direkt an der Strasse/Trottoir, bzw. am öffentlichen Spielplatz am Ende des Tanneneichbachtobels, sodass das Gebäude von der Iddastrasse her gut sichtbar in Erscheinung tritt. Diese Positionierung ermöglicht nicht nur Raumbildung im Bereich der Iddastrasse, sondern auch eine effiziente Anlieferung des Gebäudes (Küche) sowie den behindertengerechten Zugang.

 

Der Haupteingang selber liegt 1 Etage höher und wird von der Iddastrasse aus über einen der südwestlichen Grenze entlang- und hochführenden Treppenweg erreicht. Eine grosszügige Loggia leitet ins Gebäude ein und ermöglicht die Verteilung in die zwei separaten Garderoben. Auf diesem Eingangsgeschoss befindet sich zudem die zentrale Küche sowie die beiden Themenräume. Die Ess-/Gruppenräume und der Bewegungsraum liegen nochmals 1 Etage höher, profitieren von der Aussicht und guten Lichtverhältnissen: die beiden nach Nordosten orientierten Räume im 1.OG werden über Tageslichtlaternen ebenfalls mit Süd- und Westlicht versorgt. Die Oberlichtaufbauten prägen die Schnittfigur und die Dachsilhouette insgesamt und werden zum morphologisch verbindenden Element zwischen TB und Kiga.

 

Wichtig: Die Bereiche der Kinder sind in der TB auf 2 Etagen konzentriert und stehen im EG in direktem Bezug zu ihrem nach Südwesten ausgerichteten Aussenraum. Das 1.UG beherbergt ausschliesslich Büro-, Personal- und Nebenräume.

 

„Oberhaus“

Das „Oberhaus“ - die 3 Kigas - zeigt sich auf den ersten Blick ebenfalls als längsrechteckiger Bau, der orthogonal zum Hang gesetzt wird. Im Gegensatz zur TB aber, deren Geschosse durchlaufend sind, handelt es sich bei den 3 Kigas um ein additives, abgetrepptes System von einzelnen Baukörpern, die miteinander zu einem Baukörper verschliffen werden: Die sanfte Neigung des oberen Hanges macht es möglich, die einzelnen Einheiten um jeweils 75cm in der Höhe zueinander zu verschieben, sodass jeder Kiga über den Iddaweg eben erreicht wird.

 

Grosszügige Eingangsloggias im Südwesten verzahnen den jeweiligen Aussenraum mit dem Innern und machen die einzelnen Einheiten erfahrbar. Die einzelnen Kiga-Einheiten werden ohne Korridor kompakt aneinandergereiht. Bei Bedarf können die drei Einheiten über grosse Flügeltüren in den Gruppenräumen zusammengeschaltet werden. Der Gruppenraum im Nordosten und der Hauptraum im Südwesten sind über eine Doppelflügeltüre ebenfalls zusammenschliessbar. Der Hauptraum ist geprägt von seiner Überhöhe und den in der Raumtiefe angeordneten Oberlichtlaternen, die für eine angenehme Lichtstimmung sorgen. Jede Kiga Einheit hat ihre eigenen Nebenräume und steht zudem über die Nordostloggias in direktem Bezug zum allgemein zugänglichen Aussenraum vor dem Tobelwald.

 

Ausdruck und Konstruktion

Der Ausdruck beider Gebäude ist geprägt von ihren silhouettenbildenden Schrägdachprofilen mit Oberlichtlaternen. Zwecks Gliederung der grossen Masse zeigt das Kiga-Gebäude zudem Staffelung in der Vertikalen als auch feine Modulationen in der horizontalen Abwicklung. Die Volumen sind damit bereits in ihrer Grundanlage sinnlich, greif- und begreifbar: sie sind spezifisch an die Kinderwelt adressiert, ohne dazu plakativ oder ikonografisch werden zu müssen. Die Ausarbeitung der hölzernen Gebäudehülle aus Holz in einer feinräumlichen Plastizität ist Abbild des Bestrebens den Gebäudeausdruck aus konstruktiven Themen zu entwickeln: Die hinterlüftete, hölzerne Aussenhaut ist als Grid (Gitter) interpretiert: Vertikale Nut&Kamm-Schalungen werden mit horizontalen Sturzstreifen aus grossformatigen Schindeln kombiniert. Sie rahmen Füllungen ein, die aus der Kombination einer Stülpschalung mit grossformatigen Brettern und vertikalen Deckleisten den Eindruck eines Verbunds aus rechteckigen Holzplatten suggeriert (vgl. japanischer Holzbau). Die Fenster bestehen aus Holz und als Sonnenschutz sind textile Fallarmmarkisen vorgesehen.

 

Tragwerk

Das Tragwerk beider Gebäude besteht aus vorfabrizierten Holzrahmenelementen in Kombination mit Hohlkastendecken (Dächer) und Brettstapeldecken (Decken TB). Der Holzbau erfüllt alle Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise und ist energie-und kostenoptimiert. Wo notwendig werden Fensterüberzüge in Form von Brettschichtholzträgern im Dachrand integriert. Diese fangen die Dachlasten ab und leiten diese über Brettschichtholzpfosten in die Stahlbetonfundation ein. Die Fundation besteht aus Streifenfundamenten und einer Bodenplatte. Die gedeckten Eingangsbereiche werden als Ortbetonschlepplatten ausgebildet.

 

Die Geschossdecken der TB wird mit einem Holzbetonverbund aus Brettstapelelementen und bewehrtem Überbeton realisiert, welcher dem Gebäude sehr gute Schallschutzwerte, speziell im Tieftonbereich, verschafft. Aufgelagert sind die Decken auf in der Wand integrierten Furnierschichtholzträgern. Bei den grossen, deckenbündigen Fenstern werden diese durch U-Profile aus Stahl ersetzt.

 

Zur Abtragung der Wind- und Erdbebenkräfte in den Baugrund wird über den Hohlkastenelementen im Dach eine OSB-Platte als Scheibe verklammert. Diese wird an den aussteifenden Trennwänden angeschlossen.

 

Die Gartenhäuser der Kigas werden als einfache, beplankte Pfostenkonstruktionen mit Balkenlage und Dreischichtplatte als Dach konstruiert. Die Horizontalaussteifung erfolgt über Wandstreben und die Deckenscheibe. Fundiert sind die Gebäude auf einer Bodenplatte mit Streifenfundament, bzw. auf den Stützmauern.

 

 

Umgebung

Die Aneinanderreihung der Kiga-Einheiten spiegelt sich auch im Aussenaum: Allen drei Gruppen ist ein separat zugänglicher Aussenbereich zugeteilt, der jeweils sämtliche Elemente der vielfältigen Spiellandschaft in unterschiedlicher Ausgestaltung enthält. Individualisiert wird jeder Garten von bestimmten einzelnen Elementen wie Wasserstellen, Sonnensegel, Weidenhäuser, Feuerstellen etc.. Locker verteilte Nutzbäume wie Apfel, Nuss oder Quitte vermitteln das Bild eines Obstgartens. Kornelkirsche, Feldahorn und Hainbuchenhecken entlang der Stützmauern ergänzen die Bepflanzung.

 

Die privaten Aussenräume der TB werden wie die Kiga Aussenräume als vielfältige Spiellandschaft ausgebildet. Speziell erwähnenswert ist dabei der südliche Bereich, der ein leichtes Gefälle zeigt, das z.B. für eine Rutschbahn ausgenutzt werden kann.

 

Der geschützte Bereich im Nordosten des Areals zum Tobelwäldchen hin nutzen Kiga und TB gemeinsam. Durch das Aufsetzen eines Sonnensegels auf das Trafohäuschen entsteht zusätzlich eine lauschige Terrasse an der Schnittstelle zum bestehenden öffentlichen Spielplatz im Norden.

 

 

 

 

Kiga + TB Iddastrasse

Wettbewerb 6. Preis

St. Gallen 2020

 

Architektin:

Aita Flury

 

Ingenieur:

Rolf Bachofner Gmbh


AitaFlury Asplund Visitorcenter

Visitor Center Stockholm

Gunnar Asplund 1923